sunlight in black and white

Advertisements

#selfietime

In letzter Zeit lese ich viel über Minimalismus. Minimalistisch zu leben bedeutet nicht, nichts zu haben. Sondern mehr vom Leben. Wenn ich durch meine iPhone gallery swipe behalte ich  nur diese Bilder, die in mir ein Glücksgefühl auslösen. Und dort gibt es diese eine Bild. In Budapest. 35 Grad. Viel zu heiss für meinen Geschmack. Ich kann es nicht verstehen, wie die Leute den überhitzen Sommer feiern. Schweiss überall, ein Gefühl von völliger Bewegungsunfähigkeit, wie ein Fisch auf dem trockenen, wie eine Nacktschnecke auf heissem Beton, erdrückt von der Sonne. Nun gut. Dieser Moment ist anders. 35 Grad in Budapest. Ich trage diese schwarze Sommerkleid, das ich liebe und für welches ich mich gleichzeitig schäme, da ich es im H&M gekauft habe. Aber es ist schlicht, es ist einfach, es fühlt sich einfach gut an, wenn ich es trage. Ich stehe dort auf der Treppe, zusammen mit ihr. Mein Lachen ist echt. Nicht so ein „schaut-mal-wie-gut-es-mir-geht-und-darum-poste-ich-es-auf-instagram„ Lachen. Ein Lachen, das Melancholie und Schwermut in sich trägt und trotzdem vor Glückseligkeit trotzt. Es ist das Lachen, das nur die wichtigsten Menschen in meinem Leben zu schätzen wissen. Die Haare wehen im Wind und verdecken uns zeitweise die Sicht, im Hintergrund das Dröhnen der Stadt, das Kreischen der Möwen, das Flimmern in der Sommerluft über der Donau. Es ist dieser einzigartige, überhitzte Moment in dieser Stadt auf diesem Wochenendausflug im Sommer mit meiner Schwester. Da ist nicht viel, nur unsere zwei Köpfe und ein bisschen etwas im Hintergrund, an einem beliebigen Platz in Budapest. Ein einfaches Selfie. Aber immer wenn ich es anschaue, sagt es mir, dass ich nichts ausser diesem Moment im Leben brauche, um glücklich zu sein.

Immer wenn ich geh‘

Immer wenn ich geh‘, bin ich innerlich leer.
dann ist da nichts mehr.
ich sitze dort, kaputt und doch so unversehrt.
frage zu viel nach, halte inne und drücke auf Play,
schlage die Zeit tot.
Minute by minute
hour by hour
day by day.

Immer wenn ich geh‘, dann gibt es keine Grenzen mehr.
Zwischen richtig und falsch,
zwischen dem Weg und dem Ziel,
zwischen Sehnsucht und Ignoranz,
zwischen Nähe und Distanz,
zwischen jetzt und danach,
entre la chute et l’atterrissage.

Immer wenn ich geh‘, gehe ich allein,
um besonders stark zu sein.
Hoffe auf eine Pause meiner zerstörerischen Gedanken,
öffne die Tore, Barrieren und meine beschützenden Schranken.

Immer wenn ich geh‘, bleibt dieser fade Nachgeschmack,
vom Rauch meiner Zigaretten, dem schlechten Kaffee und der Scham,
und doch weiss ich, dass der Tag kommen wird, nachdem er kam.
Und dass er nicht bleiben wird, denn die Zeit macht uns gemeinsam einsam.

Immer wenn ich geh‘, bleiben viele Fragen offen.
Es gibt kein Ja oder Nein,
nur die Antwort auf das Sein.
Nur noch eine Zettel auf dem Küchentisch,
nur noch ertragen, abwarten und hoffen.

Immer wenn ich geh‘, gehe ich mit dem Wunsch zu sterben
und trotzdem weiss ich, dass ich zurück kommen werde.

Immer wenn ich geh‘, kann ich mir vor Scham nicht selbst in die Augen sehen,
Aber immer wenn ich geh, bleib ich wenigstens nicht stehen.